Pressespiegel 2022

Niedersachsen/Hannover, 1.2.2022

Ein offenes Ohr für Einzelgänger

Erzieherinnen der Spieloase kümmern sich um schwerkranke Kinder

 

Mitten im Weg steht ein Kicker – etwas weiter ein Air-Hockey-Tisch. Die Wände sind bunt bemalt – ein Kind rollert mit dem Bobby-Car von der einen Glastür zur anderen. Dieser Flur ist anders in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Hier sind Ärzte nur im Notfall erwünscht – hier haben die schwerkranken Kinder ihr eigenes Reich: Willkommen in der Spieloase. Drei Erzieherinnen kümmern sich täglich um die Jungen und Mädchen, die ein wenig Ablenkung vom grauen Klinikalltag brauchen. Hier wird Uno gespielt oder Monopoly – hier wird gebastelt oder Fußball geschaut – in der Küche können sie backen und kochen.

 

„Was die Kinder am meisten brauchen ist ein offenes Ohr“, sagt Erzieherin Annette Wiens - seit zwölf Jahren ist sie dabei: „Die meisten freuen sich, dass sie die Station einmal verlassen können und sie hier das normale Leben haben. Die wollen kein Mitleid, die wollen ganz normal behandelt werden, wie andere Kinder auch.“ Noch länger im Team ist Leiterin Claudia Erzfeld-Dokanikis. Seit 1991 kümmert auch sie sich um Kinder, die auf ein Spenderorgan warten oder eine seltene Krankheit haben. Komplettiert wird das Team von Justine Mahlstedt. Sie ist erst seit einem halben Jahr dabei. Weiteres Personal wird gebraucht – aber Bewerbungen gibt es leider keine.

 

Der Tag beginnt um acht Uhr. Auf den Stationen gibt es dann die Übergabe mit dem Pflegepersonal. Dort erfahren die Erzieherinnen, welches Kind gerade frisch operiert wurde, wer mit welchem Problem zu kämpfen hat oder wer sich schon auf die Angebote der Spieloase freut. Denn dort gibt es sogar eine Playstation, eine Wii-Konsole und einen voll ausgestatteten Raum zum Fußballgucken. Für die kranken Kinder sind diese Angebote ein großer Anreiz, schnell wieder mobil zu werden. „Die meisten Kinder sind Einzelkämpfer. Freundschaften gibt es kaum in der Klinik – viele werden in der Schule gemobbt“, sagt Annette Wiens. Kinder also, die eine ganz besondere Betreuung brauchen – und in der Spieloase aufgefangen werden. Aus aller Welt kommen die Patienten nach Hannover. Hier werden Lungen, Nieren, Lebern und Herzen transplantiert – 70 Kinder erhalten hier pro Jahr ein neues Organ. 180 Betten gibt es in der Kinderklinik. 

 

Einmal im Jahr steht die Spieloase der MHH im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Das große Sommerfest im Innenhof ist auch für Besucher geöffnet. Der gemeinnützige Verein „Kleine Herzen Hannover“ unterstützt das Programm schon seit sieben Jahren mit Spenden. Insgesamt hat der Verein seit 2014 insgesamt 16.512 Euro für die Spieloase an Spendengeldern zur Verfügung gestellt. Davon wurden unter anderem ein Sandbagger und Strandkörbe für den neu gestalteten Innenhof der Kinderklinik gekauft – und immer wieder auch diverse Spielsachen.

 

Die größte Summe gab es mit 10.000 Euro für ein neues Lichtkonzept der Spieloase – statt Neonröhren wurden dimmbare Lampen in Regenbogenfarben installiert. „Mit Licht und Farbe kann man Kinderseelen erreichen“, sagte Vereinsgründerin Ira Thorsting bei der Übergabe. Auch für das Projekt „Wasserwelten“ in der Notaufnahme der Kinderklinik hat „Kleine Herzen“ gespendet. (nds)

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Niedersachsen/Hannover, 1.1.2022

Brücken bauen mit Pinsel und Farben

Anne Nissen arbeitet als Kunst-Therapeutin

 

„Ich möchte, dass die Kinder eintauchen in eine andere Welt, die etwas Heiles und Positives hat.“ Das ist der Anspruch, den Anne Nissen an ihre Arbeit hat. Die Kunst-Therapeutin kommt jeden Mittwoch in die Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), um dort mit herzkranken Kindern zu malen. „Wenn ich es schaffe, mit Pinsel, Stift und Farben eine Brücke zu bauen, dann ist das etwas ganz Tolles“, sagt Anne Nissen. Seit 17 Jahren ist sie schon als Kunst-Therapeutin an der MHH beschäftigt. Als das Krankenhaus irgendwann keine finanziellen Mittel mehr für die Kunsttherapie hatte, ist der gemeinnützige Verein „Kleine Herzen Hannover“ eingesprungen. Seit 2013 finanziert er das wichtige Angebot für herzkranke Kinder mit mehr als 8.000 Euro pro Jahr aus Spendengeldern. Aber nicht nur das. „Inzwischen haben wir das Kunsttherapie-Angebot sogar noch ausgeweitet – für Eltern und Familien“, sagt Vereinsgründerin Ira Thorsting. Insgesamt stellt „Kleine Herzen“ für alle Projekte jetzt jedes Jahr mehr als 17.000 Euro zur Verfügung.

 

Drei verschiedene Therapie-Ansätze verfolgt Anne Nissen – einmal mit den Kindern, dann mit den Eltern und einmal im Monat mit der ganzen Familie. Wenn Mama, Papa, Onkel, Tante und Geschwister zusammen mit dem erkrankten Kind bunte Kunstwerke auf die Leinwand bringen, dann findet ein reger Austausch statt, dann wird gelacht und gestaunt – eine willkommene Abwechslung im sonst oft so traurigen Klinik-Alltag. „Manche Kinder entdecken beim Malen ihre Stärken, andere bewältigen ihre Ängste“, sagt Anne Nissen. Sie sollen ein Gefühl für sich bekommen und dürfen darum auch frei wählen, ob sie mit Buntstiften, mit Pinsel und Tusche oder gar mit einer Farbwalze arbeiten wollen. „Bei kleineren Kindern ist das Mischen der Farben in der Palettenschüssel zu einer braunen Matschepampe oft spannender als das Ergebnis auf der Leinwand“, weiß Anne Nissen. Das Familienangebot musste im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie unterbrochen werden – und auch 2021 wird es das aus demselben Grund nicht geben. Die ebenfalls ausgesetzten Angebote am Mittwoch finden jedoch seit September 2020 wieder statt – Kinder und Eltern werden jetzt weiter kunsttherapeutisch betreut.

 

Der Therapeutin steht für die Kinder und deren Eltern ein ehemaliges Arzt-Zimmer zur Verfügung. Auch dafür hat „Kleine Herzen Hannover“ gesorgt. Schon seit 2006 engagiert sich die Initiative für herzkranke Kinder in der MHH und wurde bereits mehrfach für seine Projekte ausgezeichnet. Über das Malen mit den Eltern kann Anne Nissen so manche Geschichte erzählen. Viele Eltern würden sagen, dass sie gar nicht malen können. Die Kunsttherapeutin sagt ihnen dann, dass jeder malen kann, der einen Stift in der Hand halten kann. „Wenn sich jemand darauf einlässt, kann er in eine ganz andere Welt eintauchen“, sagt Anne Nissen. Einmal sei eine Mutter durch sie zum Malen gekommen und habe darin ihre Erfüllung gefunden. Ihre kranke Tochter habe drei Jahre lang in der Klinik auf ein Spenderherz warten müssen. „Es ist ein Ausgleich, den viele dringend nötig haben“, sagt Anne Nissen. Durch ihre Arbeit hat sie gespürt, unter welch großer seelischer Anspannung die Eltern stehen. Das haben auch Ira Thorsting und ihr inzwischen verstorbener Mann Jörns erfahren, als sie vor 30 Jahren mit ihrem Herzkind in der MHH-Kinderklinik waren. Sie hatten sich schon damals ein solches Angebot gewünscht. „Es geht um etwas Ablenkung in einer sehr angespannten und sorgenreichen Zeit“, sagt Ira Thorsting. Darum habe sie sich auch dafür eingesetzt, dass die Kunsttherapie in der Kinderklinik auf Dauer fest verankert wird. (nds)

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